„Die Welt im Kleinen retten“
Aus Alt mach Neu - Sabine Pauli und ihre Upcyclerei
Was die Coronazeit nicht alles so mit sich brachte - Sabine Pauli näht schon ihr ganzes Leben lang, doch erst seit 2020 gibt es die „Upcyclerei Sabine Pauli“. Alles Stoffartige wird von ihr zu Unikaten verarbeitet - egal ob Taschen, Einkaufsbeutel, Kulturbeutel, Blusen oder Sitzkissen.
In ihrem Sortiment befinden sich viele Taschen.
Der Beutel mit den Zitronen war zuvor ein Vorhang.
RAVENSBURG (ad) - Sabine Pauli näht schon ihr ganzes Leben lang - der Vater war Polsterer, die Mutter Näherin. Dennoch wählte sie erst einmal den klassischen Weg: Eine Ausbildung. Den Traum von einer Modeschöpferin legte sie für unbestimmte Zeit auf Eis. Doch während der Coronazeit 2020 packte die gelernte Ergotherapeutin das Nähfieber, und geboren war „Die kleine Upcyclerei“. Die Idee dahinter ist simpel: Aus gebrauchten Stoffen, seien es Tischdecken, Vorhänge oder Bettbezüge, näht Pauli alles Mögliche, was ihr in den Sinn kommt. Entweder Kinderkleidung, Blusen für Frauen, Taschen, Schürzen, Einkaufsbeutel, Kulturbeutel, Sitzkissen und vieles mehr. Am liebsten verarbeitet sie historische Stoffe wie besticktes Leinen.
Sie kauft nur das Notwendigste neu, wie zum Beispiel Knöpfe. Alles andere, was anderenfalls in der Altkleidersammlung landen würde, ist gebraucht und wird von Pauli zu neuem Leben erweckt. Viele der Stoffe erhält sie auch über Spenden. So hat ihr eine professionelle Schneiderin, die aus Altersgründen nicht mehr nähen kann, über 200 Reisverschlüsse geschenkt. Ein Großhandel für Möbel- und Vorhangstoffe spendiert ihr wiederholt großartige und auch größere Stoffstücke ihrer Muster, wenn jährlich die Kollektion wechselt. „Ein Freund, der immer wieder wegen Abriss oder Umbau entrümpelte Häuser auf der Suche nach historischen Bauteilen wie Türen begeht, findet teilweise größere Kisten von stehengelassenen Nähutensilien und stellt sie mir vor die Tür. Da gibt es teilweise wirklich schöne und brauchbare Sachen wie Knöpfe, Garn und Spitzen“, erzählt Pauli.
Insgesamt hätten sie viele Bekannte und weniger Bekannte angesprochen, ob sie ihre aussortierten, geerbten Stoffe und Nähutensilien spenden können. „Einige haben ihre Artikel sogar länger aufgehoben, um mich „irgendwann“ zu kontaktieren“, sagt sie lachend. Hin und wieder kämen auch Anfragen von Nachbarn, Kolleginnen oder teilweise Fremden, ob sie nicht kleine Änderung oder Reparatur an ihrer Kleidung machen könnte. „Auch das mache ich gerne“, so Sabine Pauli.
Die Produkte, die alle individuell und durch das Upcyceln einen neuen, ästhetischen Look bekommen, werden allesamt verkauft. Den Erlös spendet die Näherin an humanitäre Hilfsorganisationen. Die letzten Beträge gingen an Unicef sowie eine Kinderklinik in Laos. Einige Spenden gingen auch an Ärzte ohne Grenzen und kürzlich an die ME/CFS Forschung, weil Pauli neben dem Nähen auch mit schwerbetroffenen Long Covid-Patienten arbeitet.

Egal ob Tischdecken oder Bettlaken Sabine Pauli näht mit allem.
Aus alt mach neu, in Paulis Upcyclerei entstehen einzigartige Stücke.
„Das Spezielle an meinem Projekt ist, dass ich keine kommerziellen Interessen verfolge. Ich möchte meinen Spaß am kreativen Nähen nachgehen, und vor allem auch einen praktischen Beitrag zum Umweltschutz durch Nachhaltigkeit leisten“, erklärt Pauli. „Wenn ich richtig fleißig war, konnte ich schon richtig schöne Sümmchen an verschiedene Organisationen spenden“, freut sie sich.
„Ich beschäftige mich mit so vielen Dingen, habe Termine, da ist das Nähen der absolute Ausgleich. Hier kann ich entspannen, zudem ist es mir deutlich lieber als fernsehen, bei all den schlechten Nachrichten“, sagt sie. „Ich möchte eben die Welt im Kleinen retten.“
Und da ihr die Ideen nie ausgehen, wohl aber der Platz, gibt es auch hin und wieder einen Verkaufsstand, an dem man sie antreffen kann. Denn durch eine Ausstellung im Haus 34 und einem Verkauf im Comeback-Laden wurde die kleine Upcyclerei zu einer großen Upcyclerei. Bei der Ausstellung hat Pauli einen, wie sie sagt, guten Nähfreund gefunden, der auch Taschen näht. Zusammen haben sie verschiedentlich Verkaufsstände gehabt, zum Beispiel beim Adventsmarkt im Schlössle Weingarten, beim Adventsmarkt im Kapuziner Kreativzentrum und beim Kunst- und Handwerkermarkt in der Ravensburger Unterstadt. Allein war sie auch schon bei Freunden in deren Garten am „Tag der offenen Gärten“ in Ravensburg.
Zudem haben sich Gelegenheiten ergeben, bei denen Sabine Puali zwar kein Geld für ihre Spendenkasse bekommt, sie aber durch ihre Näharbeit Kunstprojekte unterstützen kann. „Dabei werden immer überwiegend gebrauchte Materialien benutzt, wie Taschen aus schön gemusterten Baugerüstplanen für die Werkhalle in Ravensburg. Dort veranstaltet Bernhard Gögler Konzerte und verkauft dabei die Taschen. Auch Kostüme für das Lichterfest in Ravensburg habe ich genäht“, erzählt sie stolz.
Mittlerweile sei sie bekannt „wie ein bunter Hund“, und was aus einer kleinen Idee entstammte, kann man nun fast schon als nachhaltiges Nähunternehmen bezeichnen. Und selbst nach 6 Jahren ist Sabine Pauli mit Feuereifer dabei.
Wer selbst Stoffe zum Abgeben hat, darf sich jederzeit an sabine.pauli@web.de wenden.