1_EHI_Erich Pöschl vor dem Weltladen
Eine Dekoration im Schaufenster mit einer Vielzahl von farbenfrohen, metallenen Insekten und Vögeln, die an einem Birkenstamm befestigt sind. Darunter befinden sich Schilder mit der Aufschrift "Shona-Art" und "Gartenkunst aus dem südlichen Afrika".

Fotos: Karl-Heinz Burghardt

Kaffee aus Burundi, Kakao aus Ghana und Knastkekse aus Sizilien

„Alle Produkte im Weltladen entsprechen den Kriterien der ATO – der Alternative Trade Organization. Sie alle sind nachhaltig und fair produziert“, sagt Erich Pöschl, erster Vorsitzender des Arbeitskreises „Eine Welt Ehingen“, der den Weltladen in der Donaustadt betreibt.

Ehingen (khb) – Seit 1991 gibt es in Ehingen/Donau den Arbeitskreis „Eine Welt Ehingen“, mit rund 70 Mitgliedern, und den Weltladen, in dem alle Helfer ehrenamtlich arbeiten. „Wir gehören zum Netzwerk Ehrenamt der Lokalen Agenda und sind Mitorganisatoren der Fairen Woche, die alle zwei Jahre in Ehingen stattfindet“, sagt Erich Pöschl. „Food“ und „Non-Food“ sei im Weltladen zu haben und alle Produkte seien nachhaltig produziert, betont er. Aus dem Non Food-Bereich nennt er Dekofiguren aus Zimbabwe. „Dort werden aus Altmetall und Metallabfällen Tier- und Pflanzenfiguren angefertigt, die fair bezahlt, den Menschen eine wirtschaftliche Perspektive bieten und ein Einkommen einbringen, mit dem sie ihre Familien versorgen können“, sagt Erich Pöschl und betont. „Wer sich und seine Familie zuhause versorgen kann, bleibt auch in der Heimat, also verhindern solche Projekte auch die Migration“.

Weiter berichtet Erich Pöschl von dem Agroforst-Projekt „Café du Burundi“. An diesem Projekt, so der Fachmann, nehmen rund 11.000 Kleinbauernfamilien teil, die jeweils auf einem halben oder einem Hektar Fläche Kaffee und Gemüse anbauen. „Das Projekt in Burundi wird von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg und dem Land Baden-Württemberg unterstützt. Ziel ist der nachhaltige Anbau von Kaffee in Bio-Qualität, ohne Pflanzenschutzmittel und generationengerecht“, so Pöschl. Damit die starke afrikanische Sonne die Pflanzen nicht verbrenne, wurden sogenannte Schattenbäume gepflanzt, die ihrerseits CO2 speichern. In deren Schatten wächst nicht nur Kaffee, sondern auch Gemüse. „Damit sind die Kleinbauern nicht allein von der Kaffeeernte abhängig und können auch Gemüse verkaufen oder es selbst essen“, sagt er. Für ihren Kaffee erhalten die Bauern faire Preise, das Gemüse hilft vor allem bei Missernten und die Schattenbäume verhindern auch, dass die Erde erodiert.

Erich Pöschl erklärt: „Nachhaltigkeit heißt schonungsvoller Umgang mit Ressourcen, mit Lebensräumen, Rohstoffen und menschlicher Arbeitskraft. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit sind Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft, sie hat damit ökologische, ökonomische und soziale Aspekte“. Alle drei Ebenen seien mit dem Agroforst-Projekt, also der Kombination von Landwirtschaft und Wald in Burundi, durch Mischkulturen statt Plantagen, durch Pflanzungen von Bäumen statt Rodungen, durch faire Löhne und Preise und durch eine Zukunftsperspektive für die nächste Generation beachtet. „Das Agroforst-Projekt hat die Lebensgrundlagen in Burundi nachhaltig verbessert“, sagt Erich Pöschl und erzählt von einem weiteren Projekt, das der Ehinger Weltladen unterstützt.

„Fairafric heißt ein Projekt in Ghana, bei dem es um Kakao geht“, sagt Pöschl und erklärt, dass ein Großteil des weltweit verwendeten Rohkakaos aus Westafrika und vor allem aus Ghana stamme. „In Europa und in Deutschland wird daraus Schokolade gemacht. Die Wertschöpfungskette sieht aber nur einen geringen Anteil für Afrika vor, der Großteil entfällt auf die Schokoproduktion, nicht auf die Kakaoernte“. Hier setze Fairafric an, produziere die Schokolade in Ghana und vertreibe sie über europäische Händler. „Diese Schokolade aus Ghana wird nur in Weltläden, von denen es mehrere tausend in Deutschland gibt, verkauft“. Meist wird Schokoladen Milchpulver zugesetzt. Weil eine EU-Verordnung aber die Einfuhr von Milchpulver-Produkten verbietet, wird in Ghana eine Creme aus Cashew-Nüssen eingesetzt, um die Schokolade cremiger zu machen. „Das hat den Vorteil, dass die Schokolade aus Ghana quasi automatisch vegan ist“, sagt Erich Pöschl. In der Fairafric- Manufaktur würden die Menschen mit fairen Löhnen bezahlt, sie seien kranken- und unfallversichert, Frauen hätten die Chance in Führungspositionen zu arbeiten und Kinderarbeit sei ohne hin ein Tabu bei allen Produkten, die in Weltläden angeboten werden. „Die Missernten waren in den vergangenen Jahren wegen Schädlingen und dem Klima groß, dadurch ist der Kakaopreis und damit der Preis der Ghana-Schokolade gestiegen. Wir bieten im Ehinger Weltladen Schokolade mit einem Kakaoanteil von bis zu 92 Prozent an. Das verlangt einfach höhere Preise“.

Neben Kaffee aus Burundi, Schokolade aus Ghana und Gartenkunst aus Zimbabwe gibt es im Ehinger Weltladen auch Bio-Tees aus Österreich sowie nachhaltig angebaute und fair gehandelte Bio-Gewürze, „von überall, wo der Pfeffer wächst“, sagt Erich Pöschl.

Im Weltladen Ehingen werden nur nachhaltige, also fair und generationengerecht gehandelte sowie ressourcen- und umweltschonende produzierte Produkte angeboten. „Wir legen auch bei der Verpackung Wert auf Naturprodukte“, sagt Erich Pöschl. Ein Einkaufsteam aus vier Personen berät und bestellt das Sortiment des Weltladens, das etwa zu 45 Prozent aus Non Food-Produkten und zu 55 Prozent aus Food-Produkten besteht. „Neu im Sortiment haben wir Knast-Kekse. Das ist Mandelgebäck mit Orange oder Zitrone aus einer Gefängnisbäckerei in Sizilien“, erzählt der Vorsitzende des Arbeitskreises „Eine Welt Ehingen“ und damit des Ehinger Weltladens.